Der Schweizer „Malboro Man“?

Yes, wer kennt den Marlboro Man nicht? Wer kennt denn auch den Mann hinter diesen weltbekannten und einzigartigen Fotos? Kommt hier das typische Schweizer Phänomen zum Tragen, alle kennen die Fotos aber wenige wissen, dass da ein Schweizer dahinter steckt? Auch hier könnte man den Ricola Spruch bringen – wer hat’s erfunden? – natürlich ein Schweizer. Hannes Schmid startete als Reisereporter, arbeitete als Werbe- und Fashion Fotograf und inszenierte in den Neunzigern eben diese Werbekampagne für den amerikanischen Konzern Philipp Morris. Bekannt sind auch seine epochale Serie zur Roch- und Pop-Ära, welche Bilder von Musik-Grössen wie Abba, Rolling Stones, Queen und ZZ Top in exzessiven Momenten wie auch im kleinbürgerlichen Ambiente vereint (Buch: Hannes Schmid Rockstars, Patrick Frey Verlag).

Fotos und Ölgemälde an der Rämistrasse 14 – perfekt inszeniert

Im Haus Schönenhof (grad beim Bellevue, ehemals JetSet) können nun die Malboro Mens bewundert werden. Ich kam ja wegen seinen legendären Fotografien. Ich wollte, als Raucherin, endlich mal den Marlboro Man sehen – und tja blinzel blinzel, da sind auch Ölgemälde! Schmid überarbeitet seit 2003 seine Cowboy-Bilder, er überträgt ausgewählte Fotografien mit gekonnten Pinselstrichen vom seriellen Bild in Einzelwerke. Ich musste also bei jedem Bild definitiv zweimal hinschauen. Wow, ich war komplett gefangen, zumal auch der Raum mit starker und eigenständiger Ausstrahlung nur das beste für diese Bilder tut. „Cowboy 61“ ist einfach nur fantastisch, es erschlägt einem (positiv), die Grösse von 120 x 350 cm, die Farben, die Inszenierung und ach was soll ich sagen, einfach nur toll. Danke.

COWBOY-61-Oil on Canvas-120x350cm

Cowboy 61, Hannes Schmid 120x350cm

Ehre wem Ehre gebührt

Die sich neu in Zürich positionierende Weinhandlung Martel lud also Hannes Schmid in die temporären Show-Räume ein. So pilgerten an diesem Abend hunderte illustre Gäste zur Vernissage – das who is who der Kunst- und „Sonstigen“ Szene war anwesend und prostete sich mit exklusiven Tropfen zu. Ich schlängelte mich mit einem Cava der Bodega Gilmes durch die Massen, habe geplaudert, Hannes gratuliert und mir geschworen in aller Ruhe diese Bilder noch einmal zu bewundern. Die Ausstellung dauert bis zum 30. Juni, danach wird umgebaut und die Weinhandlung Martel zieht ein.

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