Wiederum eine äusserst interessante Biographie. Auch er, Daniel Hope, ein Leistungssportler. In Lübek zum Beispiel, an einem Tag vier Konzerte. Geboren 1973 in Durban, wohin seine Eltern vor den Nazis geflüchtet sind. Dort kamen sie alsbald ins Räderwerk des Aphartheitsregimes und flüchteten wiederum – diesmal nach London. Dort, man kann es fast nicht glauben, wurde Daniels Mutter die Sekretärin des weltbekannten Geigers Yehudi Menuhin. Tja, wenn der Satz – zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort was bedeutet, dann sicher in Daniel Hopes Leben. Die Mutter ist überzeugt, es gibt viele gute Geiger, wenn das gewisse etwas fehlt und du nicht eben ein solches Zeitfenster betreten kannst, dann kommt es nicht zur Weltkarriere. Daniel wusste schon mit drei Jahren, dass er Geiger werden will. Das muss es wohl sein, auch Björn Borg wusste es schon mit drei. Hope versteht die Musik nicht nur als reine Noten, er recherchiert die Geschichten dahinter – dem Erlebten des Komponisten (Krieg, Liebe, Flucht, Hass) und so spührt und übermittelt er die Musik. Nahul Lopez verbindet in diesem Film mit eindrücklichen Bildern, kombiniert mit wundervoller Musik, die vielen Stationen Hopes (gedreht wurde „nur“ ein halbes Jahr). Die eingebundene Ahnenforschung kommt leise daher und doch ist sie für mich der markanteste Teil. Er findet sein Familiengrab (der Valentins), das eigentlich grad ein Ägypter kaufen wollte und er schafft es – es wird wieder das Hope-Familiengrab. Was ich persönlich nicht verstehe ist, warum bekommt die Familie das enteignete Haus in Dahlem nicht zurück? Ich werde da mal recherchieren.

Wer den Film nicht sehen kann – wir Zürcher habens gut, denn seit der Saison 2016/17 leitet mit Music Director Daniel Hope erstmals kein Dirigent, sondern ein Instrumentalist das Orchester. Also go for it.

Ich gebe diesem Film 5 Punkte.

 

Sa. 07. Okt. 13:45 Arthouse Piccadilly
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