Duden über Kral:

  • kreisförmig angelegtes Dorf bei afrikanischen Stämmen
  • kreisförmig angelegter Pferch bei afrikanischen Stämmen

Wenn wir uns das Jahr 2053 vorstellen, was kommt dabei raus? Ich persönlich denke:

  1. ich werde es nicht erleben
  2. ich könnte es mir fast so wie im Roman Kral von David Weber vorstellen …

Es mag sein, dass ich da etwas negativ gepolt bin, aber die Gegenwart lässt mich manchmal an solche Fiktionen denken/glauben. Soll ich nun einen Wasser-, Gas-, Essvorrat in meinem kleinen Keller zulegen oder doch nicht??

Jak – er weiss nicht mehr genau wie alt er ist – lebt seit vielen Jahren in seinem Kral. Im Bergell, abgelegen als Einsiedler. Eigentlich wollte er sich aus dem Leben schleichen, hat seinen ganzen Weinvorrat „leergesoffen“ und doch wacht er wieder auf! Warum nur, fragt er sich? Was soll ich denn noch hier und warum kann ich nicht einfach gehen – ok sich mit Wein umbringen ist ja vielleicht nicht das Wahre!?

Jak lebt alleine in seinem Haus, weit abgelegen von der grossen „Inneren Schweiz“. Er hat frühzeitig vorgesorgt und lebensnotwendiges im Kral eingelagert. In der Schweiz gibt es nur noch Zürich und eine Mauer darum herum?! Die Basler, Luzerner, Genfer einfach ALLE wurden dorthin gebracht und die Chinesen haben übernommen. Echt jetzt, fragt ihr euch – jupp so ist es und könnte das…

Eine Diktatur ist aus der Schweiz geworden und die Berggebiete sind leergefegt. Ok, Jaks-Kral gibt es noch! Das Überleben ist ein einziger Kampf – was zusätzlich dem Dauerregen zuzuschreiben ist – wie sollen da Gemüse und was auch immer wachsen? #DavidWeber beschreibt für mich diese Einsiedelei genial, erschreckend und detailliert-düster. Im Jetzt wird man sich dem Überfluss bewusst. Auf der Jagd findet Jak überraschenderweise eine schwer verletzte Frau. Wer ist sie, woher kommt sie, ist sie alleine hier – Fragen die Jack Angst machen. Haben Sie mich gefunden? Er schleppt sie ins Haus und päppelt sie auf. Nun beginnt eine Zweiergeschichte, die spannender nicht sein könnte. Maria ist vor der Diktatur geflüchtet und will alles über Jaks Leben wissen – das passt nicht immer gut zusammen – obwohl, da gibt es ja diese Tagebücher. Was ist echt, wer lügt, was hat Jak früher gemacht? Ich habe das Buch innerhalb einer Woche gelesen und konnte nicht mehr aufhören – es ist einfach nur gut. Die ZWEI sind aneinander gekettet, lernen sich zu verstehen, zu hassen, zu verwöhnen und zu lieben – oder doch nicht? Lest selber…

#Inthegrid gibt diesem düsteren doch schönen Buch 5 von 5 Punkten

David Weber wurde 1952 in Zug geboren, studierte Architektur und befasst sich seit seiner Jugend mit Musik und Literatur. 1983 reiste er ein Jahr lang durch Afrika, ein Abenteuer, das er danach mit seiner Familie weiterverfolgte.
Neben seinem Engagement für Architektur und als Saxofonist in verschiedenen Formationen setzt er sich für Kultur ein, war Initiator und Architekt des Zuger Kulturzentrums Choller.
2013 verkaufte er seine erfolgreiche Planungsfirma, die er 27 Jahre lang als Geschäftsleiter und Teilhaber führte, studierte «Literarisches Schreiben» an der SAL in Zürich und arbeitet seither als Autor. David Weber lebt und schreibt in Zug und Caccior (Bergell). ©KnappVerlag / Photo:Pixabay.com