Ich nehme mal fest an, dass quasi „fast“ niemand Nelly Diener kennt. Ja, ich auch nicht?! Sie war die erste Lufthostess Europas und flog mit dem weltbekannten Walter Mittelholzer bei der damaligen Swissair (gegründet 1931). Die zwei charismatischen Gründer Walter Mittelholzer und Balz Zimmermann stellten sie, nach amerikanischem Vorbild, als „fliegende Saaltochter“ ein. Nelly flog also ab dem 1. Mai 1934 sechsmal die Woche von Zürich nach Berlin (Stopp in Stuttgart). Wie kommt ein „Maitli“ aus niederem Stand an so einen Job. Tja, sie ging nach Dübendorf, sprach vor und meinte beim 1. Rundflug mit Mittelholzer „ein einfacher Looping würde mir vorerst reichen“. Die Schweizer hatten die Nase im Flugbusiness vorn, so kamen auch viele Medien zum Jungfernflug und ab da wurde viel über den fliegenden Engel berichtet (manchmal sogar zum Leidwesen der männlichen Aviaten). Natürlich nicht nur gutes, eine Frau im Flugzeug, was soll das denn jetzt, das gehört sich doch nicht?

Das Buch von #PascaleMarder ist leicht und süffig zu lesen (an einem Abend) und gibt einen äusserst interessanten Einblick in die Aviatik, die komisch wirkenden Ansichten zum Stand der Frau (auch damaligen Pilotinnen) und dem Drang nach Fortschritt. Dieser Drang fand bei der kleinen Lady leider schon während des 83. Fluges ein jähes Ende. Unverhofft stürzte die Maschine in Wurmlingen ab, es gab keine Überlebenden. Die Crewmitglieder, Armin Mühlematter, Hans Daschinger, Nelly Diener und neun Passagiere verstarben auf der Stelle.

Nelly Diener hat das Fliegen geliebt, hat sich eine eigene Uniform geschaffen mit einem feschen Studenten-Käppi, durfte sich nebst den 250 CHF Monatslohn auch mit dem Verkauf von, Whisky, belegten Broten und Kleingebäck was dazu verdienen. Sie war resolut, vielsprachig (was damals eher selten war) und wie viele ihrer bekannten Passagiere meinten: „lesen Sie selbst“…

PS: Ich glaube ich muss mal ein paar Bücher von Walter Mittelholzer lesen.

Nelly Diener – Engel der Lüfte (204 S.) erhält von InTheGrid 4 von 5 Punkten. Am 26. September 2018 ist im Landesmuseum eine Lesung.

Pascale Marder

Pascale Marder, geboren 1977 in Baden, lebt mit ihrer Familie und zwei Bienenvölkern in einer ehemaligen Bäckerei im aargauischen Turgi. Sie absolvierte nach ihrer kaufmännischen Grundausbildung eine eidgenössische Matur und studierte Geschichte und Englisch an der Universität Zürich. Gleichzeitig arbeitete sie als Werkstudentin bis zum Grounding in der Marketingabteilung der damaligen Swissair. Danach Tätigkeiten als Reisejournalistin, Englischlehrerin und Dozentin.

Titelbild: SwissairETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Swissair / LBS_SR02-10664 / CC BY-SA 4.0

Buch-Cover und Text zur Autorin: bilgerverlag